Pyrotechnikfreie Graphitzünder

Um Motoren elektrisch zünden zu können benötigt man Zünder. Diese bestehen oft aus einem kleinen Draht, der glüht wenn Strom durch ihn hindurchfließt. Ein aufgebrachtes Pyrogen entzündet sich dann, dieses wiederum zündet dann den Motortreibstoff.

Zünder gibt es in verschiedenen Ausführungen, z.B. SN0-Brückenzünder. Diese passen jedoch nur schlecht in die kleinen Motoren wie A6 oder C6. Die mitgelieferten Zünder taugen meistens nicht zuviel. Solarzünder, die man im Handel kaufen kann versagen auch oft.

Da man in Deutschland (und anderswo) keine Zünder mit Pyrotechnischen Mitteln selbst herstellen darf bin ich auf eine Idee gekommen, die sich als sehr gut erwiesen hat: Ich nahm ein Stück Netzwerkkabel, entnahm ein Adernpaar, entfernte die Isolation ein Stück und tauchte die beiden Drahtenden in eine Mischung aus PVC-Kleber und Graphit. Graphit bekommt man im Baumarkt um Schlösser gängig zu machen, es ist ein guter Schmierstoff, und leitet Strom.

Nachdem der Kleber hart ist kann man einen elektrischen Widerstand messen, denn Graphit leitet den Strom. Der Widerstand ist zunächst recht hoch, zwischen 15 und 50 Ohm. Nach der Formel I=U/R sollte bei 12 V also nur 240 mA bei 50 Ohm fließen, zuwenig zum zünden…Aber: Das Graphit ist wie ein NTC-Widerstand, wird es erwärmt, sinkt der Widerstand. So auch bei dem Zünder, millisekunden nach dem Anlegen einer Spannung sinkt die Widerstand, damit erhöht sich der Strom. Eine Kettenreaktion findet statt, der Zünder erhitzt sich schlagartig sehr stark und zündet den Treibstoff des Motors.

Soweit zur Theorie. Dieser Zünder ist sehr zuverlässig, billig und ohne Pyrotechnik. Er ist definitiv nicht geeignet Sprengstoffe zu zünden, das wollen wir auch nicht. Er erzeugt nur genug Hitze um Raketenmotoren zünden zu können. Das wollen wir. Er eignet sich sogar um die zugelassenen Motoren von Aerotech, sowohl White Lightning, Redline als auch Blackjacks zu zünden. Den größeren Motoren liegen eh Zünder bei, das bringt also ncht zu viel.

Aber um einen C6 zu zünden sollte man nicht noch einen gleich teuren Zünder verwenden müssen. Da sind diese Graphitzünder ideal.

Für alle Experimentierer unter den Besuchern: Es ist nicht erlaubt diese Zünder mit unerlaubten Mitteln herzustellen, weder mit Oxidatoren, noch mit z.B. Schwarzpulver. Es ist auch völlig unnötig, denn die Zünder arbeiten mit Kleber und Graphit 100% in Ordnung, ein Tuning ist nicht notwendig und auch verboten. Ich übernehme keine Haftung für Unfälle die auf die Benutzung dieser Zünder zurück zu führen sind. Wer nicht sicher im Umgang mit diesen Stoffen ist, sollte damit auch nicht umgehen. Eine Erlaubnis nach §27 SprengG ist in Deutschland gesetzlich notwendig um mit Motoren mit mehr als 20g Treibstoff umgehen zu dürfen. Ein Lehrgang zur Erlangung dieser Erlaubnis bringt auch Sicherheit im Umgang mit diesen potentiell gefährlichen Stoffen. Darüber sollte jeder nachdenken, der ernsthaft in dieses Hobby einsteigen möchte.

Die Zünder sind sicher in der Handhabung, man kann beliebig mit einem Hammer drauf schlagen, sie erhitzen oder anders mishandeln, eine Zündung findet nicht statt. Auch brauchen sie hohe Ströme zum Zünden, es reicht also nicht eine statische Entladung wie beim SN0 um sie zu zünden.
Besser als Zündschnur, die den kleinen Motoren beiliegt sind sie allemal! Elektrisch zünden heisst sicher zünden.

Nun zur Herstellung:

Man benötigt folgendes Material:
– Kleine Flachzange
– PVC-Kleber (z.B. von Marley)
– PVC-Reiniger
– Graphit
– Ein Behältnis für die Pampe
– Jede Menge Adernpaare aus einem CAT5-Netzwerkkabel

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Zuerst einmal nimmt man cat5-Kabel und strippt es bis die Innenader übrig ist, gibt jeweils 4 verdrillte Adrernpaare:

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Dann nimmt man eines der Kabel, und begradigt ca. 15 mm an einem Ende:

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Dann isoliert man ca. 10 mm ab und legt die Enden ca. 1 mm auseinander, das erfordert etwas Übung um sie gerade hin zu bekommen.:

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Anschließend verdrillt man ca. 5 mm unter den blanken Enden den Draht sehr stark als Zugentlastung:

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Nach etwa 15 Minuten sieht das dan so aus: Rohmaterial

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Dann rührt man 1-2 Teelöffel Kleber mit der selben Menge Reiniger an und füllt das ganze auf mit viel Graphit, bis es eine geschmeidige Masse wird. Es muß so viel wie möglich Graphit hinein, sonst wird der Widerstand nicht gering genug. Es muß aber so flüssig bleiben, dass am Draht keine großen Klumpen hängen bleiben. Lieber etwas mehr Reiniger nehmen als Kleber, aber viel Graphit.

bild6

Danach taucht man die Enden ein, wie gesagt, die Mischung sollte sich geschmeidig um die Leiterenden legen und nicht klumpen.

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Nach insgesamt 20 Minuten sieht der Tisch dann so aus, ca. 40 Zünder:

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Dann kommt die Prüfung, Multimeter anschließen und den Widerstand messen, am Anfang sind es so um die 100 Ohm der dann innerhalb einer halben Stunde auf ca. 15 Ohm fällt, nach einem Tag sind es dann je nach Güte ca. 3-10 Ohm.
Sollte der Zünder nach 1-2 Minuten erst einge Kiloohm aufweisen war zuwenig Graphit drin, 250 Ohm nach ein paar Minuten müssen sein, sonst wirds am Ende nichts. Einfach erst einen eintauchen, etwas warten und messen, wenn der Widerstand zu hoch ist mehr Graphit in die Pampe und weiter versuchen.

bild9

Wenn man sie mit 12V zündet gibt das eine schönee helle Stichflamme, es stinkt aber leider sehr durch das PVC, also nur draußen testen (soll gesundheitsschädlich sein die Dämpfe einzuatmen)

Zuendung

Die Zünder passen auch in C-Motoren und sind bisher bei mir sehr zuverlässig gewesen, ich zünde aber mit 12V-Akku. Ich habe sie letzt an einem DMag mit NiMH-Akku (7,2V) getestet, ging auch wunderbar, da würde ich sie aber erst selektieren und die mit unter 15 Ohm nehmen.

 

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